St. Crucis – Pellworm

Neue Kirche St. Crucis

Ein Wahrzeichen Pellworms

Die Neue Kirche St. Crucis wurde in den Jahren 1621–1622 erbaut und gehört zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Pellworms. Gemeinsam mit der Alten Kirche St. Salvator erzählt sie die bewegte Geschichte der Insel – von Sturmfluten, Wiederaufbau und dem Leben ihrer Bewohner über viele Jahrhunderte hinweg.
Heute beeindruckt die Kirche nicht nur durch ihre Architektur, sondern vor allem durch ihre außergewöhnlichen Kunstschätze, die größtenteils aus untergegangenen Kirchen der ehemaligen Insel Alt-Nordstrand stammen.

Die Geschichte der Kirche

Bereits im Mittelalter befand sich auf dem Gut Seegarden eine private Hauskapelle. Da der Weg zur Alten Kirche St. Salvator für viele Inselbewohner weit war, entstand der Wunsch nach einer zusätzlichen Kirche für die Allgemeinheit.
Zunächst wurde 1528 eine kleine Kapelle „In de Wisch“ errichtet. Sie sollte die Rechte der Alten Kirche nicht beeinträchtigen, bot den Menschen jedoch einen näher gelegenen Gottesdienstort.
Mit dem Bau der heutigen Neuen Kirche St. Crucis in den Jahren 1621–1622 erhielt Pellworm schließlich eine größere Kirche für die Gemeinde – nur wenige Jahre vor der verheerenden Großen Mandränke von 1634.

Architektur

St. Crucis wurde vollständig aus Backsteinen im traditionellen Klosterformat errichtet. Der einschiffige Saalbau besitzt einen markanten polygonalen Ostabschluss anstelle einer klassischen Apsis.
Ursprünglich schmückten Darstellungen von Propheten, Aposteln und biblischen Szenen die flache Holzdecke. Das Kircheninnere wurde durch hohe Spitzbogenfenster erhellt, während sich an der Nord- und Südseite jeweils ein Eingang befand. Ein Beinhaus (Ossarium) bildete den westlichen Abschluss des Gebäudes.
Anstelle eines Kirchturms trug zunächst ein freistehender Glockenstapel die Glocken der Kirche.

Umbauten im 19. Jahrhundert

Die Sturmfluten von 1793 und 1825 belasteten die Gemeinde finanziell erheblich. Erst nach dem Übergang Schleswig-Holsteins an Preußen konnten umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt werden.
Im Zuge der Umgestaltung erhielt die Kirche:
• den heutigen neugotischen Westgiebel
• ein neues Hauptportal
• neu gestaltete Fenster
• einen Glockengiebel mit Uhr
• zusätzliche Sitzplätze
• einen hellen Innen- und Außenputz
Der ursprüngliche Glockenstapel wurde dabei entfernt.

Kunstschätze der Kirche

Nach der Großen Mandränke von 1634 wurden zahlreiche Kunstwerke aus zerstörten oder aufgegebenen Kirchen nach Pellworm gebracht. Dadurch besitzt St. Crucis heute eine außergewöhnlich wertvolle Ausstattung.
Der spätgotische Schnitzaltar
Das Herzstück der Kirche ist der prachtvolle Schnitzaltar aus der untergegangenen Kirche von Ilgrof (Alt-Nordstrand).
Er entstand vermutlich um 1520 in der Werkstatt eines Nachfolgers des bekannten Bildhauers Claus Berg, der am dänischen Königshof tätig war.
Zwischen 1938 und 1941 wurde der Altar dank einer großzügigen Spende von Dorothea Hansen restauriert. Dabei entfernte man spätere weiße Übermalungen und stellte die ursprüngliche farbenprächtige Fassung mit Blattvergoldung wieder her.
Der Altar zeigt zahlreiche Darstellungen aus dem Leben Jesu sowie Heilige, Apostel und biblische Persönlichkeiten.

Weitere Ausstattung

Triumphkreuz
Das eindrucksvolle Triumphkreuz stammt um 1500 und wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach seinen Standort innerhalb der Kirche.
Taufstein
Der achteckige Taufstein aus belgischem Namurer Marmor wurde 1587 vom Gut Seegarden gestiftet. Seine markanten Köpfe an der Cuppa zählen zu den besonderen kunsthandwerklichen Details.
Die Messingtaufschale stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Renaissance-Kanzel
Die kunstvoll gestaltete Renaissance-Kanzel entstand um 1600 und stammt – wie auch der Altar – aus der Kirche von Ilgrof. Die Kartuschen tragen die Namen ihrer Stifter.
Beichtstuhl
Der historische Beichtstuhl wurde aus der untergegangenen Kirche von Osterwohld übernommen und bis ins 19. Jahrhundert genutzt.
Eichenschrank
Der reich verzierte Eichenschrank von 1624 stammt aus Pommern und diente zur Aufbewahrung liturgischer Geräte. Besonders auffällig ist das Christusmonogramm JHS.
Abendmahlsgeräte
Zur Ausstattung gehören unter anderem:
• Oblatendose (1763)
• Silbervergoldeter Kelch der Neuen Kirche (1696)
• Silbervergoldeter Kelch der Alten Kirche (1466)
• Patene
• Epitaph Elersen (1570)
Gemälde
Zu den bedeutenden Gemälden zählen das Porträt von Pastor Titus Axen (1663–1705) sowie das monumentale Gemälde „Das Jüngste Gericht“, das Johann Hopp aus Husum im Jahr 1773 schuf.
Kronleuchter
Der große Kronleuchter wurde 1704 von einem Pellwormer Ehepaar gestiftet und prägt bis heute den Kirchenraum.
Orgel
Nach dem Bau der Empore konnte 1869 die Färber-Orgel eingebaut werden, die 1870 fertiggestellt wurde.
Grabstein
Nach dem Kirchenbrand von 1998 wurde unter der Empore ein historischer Grabstein befestigt, der später als Mühlstein weiterverwendet worden war.

Besucherinformationen

Die Neue Kirche St. Crucis ist tagsüber für Besucher geöffnet. Gäste sind herzlich eingeladen, die Kirche zu besichtigen und die besondere Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Ortes auf sich wirken zu lassen.
Spenden
Mit Ihrer Spende unterstützen Sie den Erhalt der Kirche und ihrer wertvollen historischen Ausstattung.
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