St. Salvator – Pellworm

Alte Kirche St. Salvator

Die älteste Kirche Pellworms

Die Alte Kirche St. Salvator zählt zu den ältesten und bedeutendsten Kirchen Nordfrieslands. Seit über 800 Jahren prägt sie das Landschaftsbild Pellworms und erzählt die Geschichte einer Insel, die immer wieder von Sturmfluten, Veränderungen und Neubeginn geprägt wurde.
Mit ihrer einzigartigen Architektur, wertvollen Kunstschätzen und der berühmten Arp-Schnitger-Orgel gehört sie zu den wichtigsten Kulturdenkmälern Schleswig-Holsteins.

Die Geschichte der Kirche

Die Geschichte der Alten Kirche ist eng mit der Entstehung Pellworms verbunden. Ursprünglich gehörte die Insel zu einer weitläufigen Landschaft im heutigen nordfriesischen Wattenmeer. Ab dem 8. Jahrhundert besiedelten friesische Siedler die höher gelegenen Uferwälle. Durch Sturmfluten, Deichbau und Warften entstand nach und nach die heutige Inselwelt.
Im 11. Jahrhundert wurde die Region vermutlich von angelsächsischen Wandermönchen christianisiert. In dieser Zeit entstanden mehrere bedeutende Kirchen auf alten Thingplätzen – darunter auch St. Salvator auf Pellworm.

Vom ersten Gotteshaus zur heutigen Kirche

Der Überlieferung nach begann der Bau des Kirchturms bereits 1095. Wahrscheinlich stand zunächst eine hölzerne Kirche auf der Warft. Um 1180 entstand die heutige romanische Kirche mit Apsis und Chor. Der markante Turm wurde um 1280 ergänzt.
Nachdem der Turm 1611 aufgrund des weichen Untergrundes teilweise einstürzte, wurde die Kirche umgestaltet. Der ursprüngliche Westeingang wurde geschlossen und durch die heutigen Nord- und Südeingänge ersetzt.

Die großen Sturmfluten

Die Geschichte Pellworms wurde maßgeblich von den beiden großen Sturmfluten geprägt:
• 1362 – Marcellusflut (Erste Grote Mandränke)
• 1634 – Burchardiflut (Zweite Grote Mandränke)
Besonders die Flut von 1634 veränderte die Landschaft dauerhaft. Die ehemalige Insel Strand zerbrach, Tausende Menschen kamen ums Leben und zahlreiche Kirchen wurden zerstört. Viele Kunstwerke aus diesen Kirchen fanden später in St. Salvator und St. Crucis eine neue Heimat.

Kunstschätze der Kirche

Der spätgotische Flügelaltar

Das Herzstück der Kirche bildet der beeindruckende Flügelaltar aus der Zeit um 1460.
Die geschnitzten Innenflügel zeigen Szenen aus der Passionsgeschichte Jesu. Weitere Darstellungen widmen sich dem Leben Marias sowie der sogenannten Gregorsmesse, einem bedeutenden Motiv mittelalterlicher Frömmigkeit.
Die Predella wird von einem barocken Abendmahlsbild geschmückt, das auf Leonardo da Vincis berühmtes Gemälde zurückgeht.

Weitere Ausstattung

Triumphkreuz
Das spätgotische Kruzifix stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert und wurde 1925 restauriert. Heute befindet es sich wieder auf dem Triumphbalken der Kirche.
Taufbecken
Zu den bedeutendsten Kunstwerken zählt das bronzene Taufbecken aus dem Jahr 1475, gefertigt vom Husumer Meister Hinrich Klinghe.
Nach einer alten Legende wurde das ursprüngliche Taufbecken von dem Seeräuber Cord Widerich geraubt. Das heutige Taufbecken gelangte nach der Burchardiflut 1634 aus der untergegangenen Kirche von Buphever nach Pellworm.
Es zeigt zahlreiche Apostel und Heilige sowie einen kunstvoll gestalteten Eichendeckel mit einer Taube als Symbol des Heiligen Geistes.
Kanzel
Die reich verzierte Kanzel entstand um 1600 und zeigt die vier Evangelisten:
• Matthäus
• Markus
• Lukas
• Johannes
mit ihren traditionellen Symbolen.
Beichtstuhl
Der Beichtstuhl von 1691 erinnert daran, dass die Beichte auch nach der Reformation weiterhin einen wichtigen Platz im kirchlichen Leben hatte.
Epitaphien
Zwei kunstvolle Epitaphien aus dem Jahr 1692 erinnern an bedeutende Persönlichkeiten der Inselgeschichte.
Gemälde
Zu den besonderen Kunstwerken gehören:
• „Das Jüngste Gericht“ (1735)
• Porträts von Pastor Johann Heimreich und seiner Frau Magdalena
• Lutherbild von Friedrich Thomsen (1883)
Kronleuchter
Der große Kronleuchter wurde 1886 in einer Husumer Glocken- und Gelbgießerei gefertigt.

Die Arp-Schnitger-Orgel

Ein besonderer Schatz der Alten Kirche ist die berühmte Arp-Schnitger-Orgel.
Das Instrument wurde 1711 erbaut und zählt zu den bedeutendsten historischen Orgeln Deutschlands. Sie besitzt zwei Manuale, 24 Register sowie zwei Zimbelsterne und ist die einzige erhaltene Arp-Schnitger-Orgel in Schleswig-Holstein.
Bis heute begeistert sie Besucherinnen und Besucher mit ihrem außergewöhnlichen Klang und ihrer kunstvollen barocken Gestaltung.

Der Glockenstapel

Nach der Erneuerung des Kirchendachs entschied sich die Gemeinde, die Glocke nicht mehr im Dachreiter, sondern in einem freistehenden Glockenstapel unterzubringen.
Der heutige Glockenstapel wurde 1977 errichtet. Seine Inschrift stammt aus dem bekannten Pellworm-Lied von Pastor Karl Hansen:
„Herr, hol dien Hand in See un Storm – Herr, schütz Pellworm.“

Inschrift an der Nordwand

An der Nordwand befindet sich eine lateinische Inschrift:
soLatrIX VenIentIbVs hVC tVa gratIa cVrae est
arX bona terrIgenIs sIt tVa ChrIste DoMVs.
Übersetzung:
Deine tröstende Gnade
Liegt den hier Ankommenden am Herzen
Eine gute Burg sei Dein Haus
Den Erdgeborenen, o Christus! (1913 – von Pastor Heinrich Hansen)

Besucherinformationen

Die Alte Kirche St. Salvator ist tagsüber für Besucher geöffnet. Nehmen Sie sich Zeit, diesen besonderen Ort zu entdecken und die Geschichte Pellworms in einer einzigartigen Atmosphäre zu erleben.
Spenden
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